Camping Urlaub
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Die Sommerferien oder - wie wir sie früher immer nannten – die „großen Ferien“ waren jedes Jahr aufs Neue wieder ein großes Abenteuer für uns. Meistens ging es nachts los.
Das hieß für uns, dass wir alle am Abend vorher schon um sechs Uhr ins Bett gingen, weil wir am nächsten Morgen bereits um vier Uhr aufstehen mussten. Na ja, für uns Kinder lief es meistens so, dass unsere Mutter unsere Decken und Kissen nahm – während wir zunächst noch weiterschliefen -, sie hinten ins Auto legte und uns dort ein gemütliches Bett zauberte. Mein Bruder und ich liefen dann schnell zum Auto und konnten anschließend auf der Rückbank weiterschlafen. Auf der ersten Etappe der Reise waren wir dann auch immer schön ruhig.
Wenn wir wach wurden, war es Zeit für belegte Brote und Würstchen. Wir hielten dann irgendwo an, unser Bett hinten im Auto verzauberte sich wieder in eine normale Rückbank zurück, unsere Schlafanzüge wurden mit normaler Kleidung getauscht, und dann gab es erstmal jede Menge zu essen. Anschließend ging die Fahrt weiter Richtung Campingplatz.
Der Campingplatz war damals fast immer irgendwo in Frankreich, meistens in der Vendée. Nach der Ankunft wurde alles ausgepackt, und dann wurde der Campingplatz ausführlich erforscht. Ich habe viele schöne Erinnerungen an die Städte und die Grotten, die wir besucht haben, an die Schwimmbäder, in denen wir ganze Tage zugebracht haben, und natürlich an die vielen Freunde und Freundinnen, die wir in den Ferien kennen gelernt haben.
Für mich waren die Ferien einfach immer ganz wunderbar. Morgens wurde man früh wach, weil man wegen der Hitze nicht mehr schlafen konnte. Papa holte dann die Zeitung und ein Baguette. Manchmal gingen wir auch mit, um uns ein Schoko-Croissant zu kaufen… en français!
Nach dem Frühstück ging es dann mit Bademantel, Kulturtasche und Handtuch zum Waschen. Da lief man dann, mit seinen kleinen Badelatschen, in der Sonne. In der Dusche natürlich ganz laut singen, damit man auch vom ganzen Campingplatz gehört wurde. Danach haben wir dann den ganzen Tag am Strand oder im Schwimmbad verbracht. Mein Bruder und ich konnten einfach den ganzen Tag im Wasser zubringen. Die Rutsche rauf, die Rutsche runter, Fangen spielen im Wasser, neue Tricks und Kunststücke erfinden und herausfinden, wer die beste Wasserbombe zustande bringt.
Abends gegen sechs waren wir dann meist völlig k.o., hatten ganz rote Augen vom Chlor oder salzige Haut vom Meerwasser. Dann hieß es erstmal wieder, duschen zu gehen. Diesmal aber etwas schneller und weniger ausgiebig, weil wir immer großen Hunger hatten! Meine Mutter fand es nicht schlimm, im Urlaub selbst zu kochen, obschon wir auch essen gegangen sind, aber ich fand’s am schönsten und gemütlichsten, wenn wir vor unserem Zelt gegessen haben.
Um uns herum ganz viele Anti-Mückenkerzen, damit wir nicht völlig zerstochen wurden. Nach dem Essen dann schnell das Geschirr abwaschen und anschließend noch ein Spiel
spielen. Danach konnten wir meist unsere Augen kaum noch offen halten und sind dann fix schlafen gegangen. Besonders schön fand ich’s immer, wenn es regnete. Das gab so ein beruhigendes Geräusch im Zelt.
Als wir dann älter wurden, waren die Spiele nicht mehr so interessant für uns und wurden gegen das Animationsteam eingetauscht, das eigentlich auf jedem Campingplatz vorhanden ist und Tanzshows, Theaterstücke, Karaoke etc. anbietet. Als wir dann noch ein bisschen älter waren, gingen unsere Eltern als erste ins Bett, weil wir dann noch in die Disko losgezogen sind. Manche Dinge vergisst man einfach nicht, die ganze Atmosphäre beim Camping, der Geruch und das Geräusch eines Zeltes.
Tja, und nun bin ich alt genug, um alleine mit meinen Freundinnen in den Urlaub zu fahren, nun schon zum zweiten Mal. Im vergangenen Jahr bin ich in Calella gewesen, und dieses Jahr soll’s nach Rimini gehen. Nicht im Zelt, sondern in einem Appartement. Kein frisches Baguette morgens, keine Mückenkerzen, aber doch richtig nett, und ich freu mich jetzt schon drauf! Aber was mich richtig glücklich macht: Nach meinem Urlaub in Rimini kann ich noch mit meinen Eltern mitfahren, und da kann ich dann den Regen auf dem Zeltdach genießen, das frische Baguette, die Spiele bis spät in den Abend…
Viele Grüße,
Anique